Algerische Armee rüstet auf, Destabilisierung befürchtet

Algerische Armee rüstet auf, Destabilisierung befürchtet

Alan George DER STANDARD, 22. Dezember 1998

London/Algier – Eine ganze Reihe größerer Waffeneinkäufe Algeriens von Rußland, Weißrußland und Südafrika könnten Nordwestafrika weiter destabilisieren. Der jüngste in einer Reihe von Waffenkäufen war die Anschaffung von 98 russischen Kh-35 Anti-Schiffs-Raketen (in der Nato-Terminologie « Switchblade ») mit einer Reichweite von mehr als 130 Kilometern.

Vorher hat Algier schon von der Beltekh-Export, der staatlichen Waffenverkaufsagentur Weißrußlands, 36 gebrauchte MiG-29 Flugzeuge angekauft. Die Erneuerung der Hubschrauberflotte ist ebenfalls geplant. Nachdem Paris eine Ausfuhrgenehmigung für zwölf Ecureuil-Hubschrauber mit Nachtsichteinrichtungen verweigert hatte, wandte sich Algier an Südafrika. Dort wurden um 20 Millionen Dollar ferngesteuerte Flugzeuge (RPVs) geordert und eine mögliche Lieferung von südafrikanischen Rooivalk-Hubschraubern besprochen.

Algeriens Waffenkäufe dienen vielleicht nur der Erneuerung veralteter Bestände – und der Besänftigung der Streitkräfte, der tonangebenden politischen Macht. Aber unabhängige Analytiker halten fest, daß die Möglichkeit besteht, daß Algerien bei seiner Aufrüstung auch das benachbarte Marokko im Auge hat.

Zwar ist die UNO dabei, in der früheren spanischen Kolonie Westsahara, die 1975 von Marokko besetzt wurde, einen Friedensplan, der ein Referendum vorsieht, umzusetzen. Aber Marokko versucht nach wie vor, das Ergebnis im vorhinein zu lenken, indem es Tausende seiner Staatsbürger mitstimmen läßt. Wenn Rabat dies nicht gelingt, ist es unwahrscheinlich, daß es dem Referendum überhaupt noch zustimmt. Das wurde letzte Woche beim Besuch von UN-Generalsekretär Kofi Annan in Tindouf, der Algerischen Basis der Polisario, unterstrichen.

Algerien hat die Polisario, die einen langen Guerillakrieg um das Gebiet geführt hat, sowohl politisch als auch militärisch unterstützt. Im Fall des Scheiterns des Friedensplans ist eine eventuelle Wiederaufnahme der Feindseligkeiten zwischen Polisario und Marokko, in die Algerien hineingezogen werden könnte, nicht gänzlich auszuschließen.