Anbringung derGedenktafel zu der Todestage von Naima Hadjar und Aamir Ageeb

Samstag, 26. Mai 2001, 12 Uhr, Terminal 1, Bereich A:

Demonstration anlässlich der Todestage
von Naimah Hadjar und Aamir Ageeb

AUFRUF ZUR ÖFFENTLICHEN ANBRINGUNG DER
GEDENKTAFEL AM FRANKFURTER FLUGHAFEN

Anfang Mai 2000 nahm sich Naimah Hadjar aus Algerien nach über achtmonatiger Haft im Internierungslager auf dem Frankfurter Flughafen aus Angst vor der Abschiebung das Leben. Ende Mai 1999 war der sudanesische Flüchtling Aamir Ageeb in einer Lufthansa-Maschine kurz nach dem Abflug von Rhein-Main während der Abschiebung von Bundesgrenzschützern getötet worden. Schon 1994 war der nigerianische Flüchtling Kola Bankole bei seiner Abschiebung ums Leben gekommen: gefesselt, geknebelt, mit einer Spritze « ruhiggestellt ».

Anlässlich dieser Todestage rufen wir erneut zu einer Demonstration auf. Im Rahmen dieses Protestes werden wir die Gedenktafel für die Opfer der Abschiebepolitik eigenverantwortlich in einer öffentlichen Aktion an einem geeigneten Platz im Frankfurter Flughafen aufhängen.

Wir wollen mit unserer Aktion der Todesopfer der Abschiebepolitik gedenken und auch deutlich machen, dass dies jederzeit erneut passieren kann. Denn nach wie vor sind zwangsweise Abschiebungen in Länder, in denen Folter, Verfolgung oder Bürgerkrieg herrschen, auf der Tagesordnung. Menschen nehmen nicht wehrlos hin, in die Verfolgerländer abgeschoben zu werden. Betroffene Flüchtlinge wehren sich oft so heftig gegen die Abschiebung, dass sie ihr Leben dabei aufs Spiel setzen. Immer wieder kommt es zu Suizidversuchen.

Mit weiteren Toten ist jederzeit zu rechnen. Die Verantwortlichen, in erster Linie in Ministerien und Behörden, aber auch beteiligte Fluggesellschaften und kooperierende Ärzte, nehmen dies billigend in Kauf.

Mehr als 30 Menschen werden täglich vom Rhein-Main-Flughafen aus abgeschoben. Dies erfolgt immer wieder unter Anwendung brutaler Gewalt von Bundesgrenzschutzbeamten.

Im Internierungslager auf dem Flughafengelände werden nach wie vor Asylsuchende eingesperrt: Männer, Frauen und Kinder, denen die Einreise in die BRD offiziell verweigert wird. Trotz verstärkter Proteste gegen die menschenunwürdigen Bedingungen im sogenannten Transitgebäude C 182 und der Forderung von Menschenrechtsorganisationen, das gesamte Flughafenverfahren abzuschaffen, plant das Bundesinnenministerium nach neuesten Meldungen sogar eine Verschärfung: Auf dem Flughafengelände soll eine zusätzliche « Rückschiebehaftanstalt » gebaut werden, die noch mehr Menschen hinter Gittern hält. Diese haben nichts anderes « verbrochen », als um Asyl zu bitten – bei dem bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten Asylrecht aber vergeblich!

Vor diesem Hintergrund werden wir unsere Proteste am Flughafen verschärfen – am 26. Mai und auch in den darauffolgenden Wochen!

Nachdem die Flughafengesellschaft, jetzt Fraport genannt, trotz Offener Briefe, einer breit getragenen Unterschriftensammlung sowie mehrerer Demonstrationen – zuletzt am 9.12 mit über 500 TeilnehmerInnen – keinerlei Bereitschaft gezeigt hat, auf unsere Forderung nach einem Platz für die Mahntafel einzugehen, werden wir diese jetzt eigenständig anbringen.

Die Mahntafel scheint der Fraport ein Dorn im Auge. Sie widerspricht allzu deutlich dem angepriesenen Ruf des Flughafens als Ort angeblicher Weltoffenheit und grenzenloser Freiheit. Ein noch so kleiner Hinweis auf die hinter dem Glitzer des Airports versteckte rassistische Ausgrenzungs- und Abschiebungspraxis soll vermieden werden.

Diese kalte Ignoranz werden wir nicht hinnehmen und die Flughafenverantwortlichen mit unserer Aktion auf öffentlicher Ebene konfrontieren.

Mehrere VertreterInnen von Menschenrechtsorganisationen haben ihre Unterstützung zugesagt:

Cornelius Yufanyi (Mitarbeiter von The Voice/Africa Forum), Alaeldin Agha (Vorsitzender der Sudanesischen Menschenrechtsorganisation/SMRO) und Salima Mellah (Mitarbeiterin von Algeria Watch) werden sich an der Demonstration beteiligen. Sie sind tagtäglich mit den Menschenrechtsverletzungen genau der Länder befasst, in welche die drei obengenannten Opfer hätten abgeschoben werden sollen.

Darüber hinaus werden Prof. Andreas Buro (Friedensforscher und Mitglied im Arbeitsausschusses des Komitees für Grundrechte und Demokratie), Helga Dieter (Courage gegen Rassismus), sowie Hans Branscheidt (medico international) an der öffentlichen Anbringung der Gedenktafel mitwirken.

Wir rufen alle Interessierten auf, unsere neue Aktion zu unterstützen. Kommt und helft mit, unserer Forderung weiteren Nachdruck zu verleihen:

GEGEN DAS VERSCHWEIGEN DER OPFER
SOFORTIGE AUFLÖSUNG DES INTERNIERUNGSLAGERS
STOPP ALLER ABSCHIEBUNGEN

Aktionsbündnis gegen Abschiebungen Rhein-Main

Kontakt und weitere Informationen:
Aktionsbündnis gegen Abschiebungen Rhein-Main, c/o AG3F, Metzgerstr.8, 63450
Hanau – Tel./Fax: 06181/184892 – Email: AG3F@oln.comlink.apc.org – Internet:
http://www.aktivgegenabschiebung.de

Hinweis: Vom 27.7. bis 5.8.2001 wird im Rhein-Main-Gebiet das 4.Grenzcamp
von « kein mensch ist illegal » stattfinden. Hunderte von AktivistInnen werden
in dieser Woche erneut für eine verstärkte öffentliche Thematisierung der
Internierungs- und Abschiebepolitik auf dem Frankfurter Flughafen sorgen.
Weitere Informationen: Camp-Büro, c/o Dritte Welt Haus Frankfurt,
Falkstr.74, 60487 Frankfurt/M. – Tel. 069-79201772 (Mittw.18-22h) – Email:
dwhffm@t-online.de (Betreff: Camp) – Internet: (ab 1. Mai)
http://ww.aktivgegenabschiebung.de/camp01/ und:
http://ww.noborder.org/camps/ (englisch,

Infos auch über Camps in anderen Ländern).