Algerien sieht sich nicht mehr zuständig für Sahara-Geiseldrama

Algerien sieht sich nicht mehr zuständig für Sahara-Geiseldrama

Zentralschweiz. online, News International 30.07.2003

Die algerische Regierung sieht sich Zeitungsberichten zufolge nicht mehr zuständig für das Geiseldrama in der Sahara. Das Schicksal der 14 Entführten liege jetzt in der Hand Malis, Deutschlands und der Schweiz, schrieb die Tageszeitung «El Watan» unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Die Geiseln seien bereits vor mehreren Tagen von Algerien aus ins benachbarte Mali gebracht worden, berichtete das der Regierung in Algier nahe stehende Blatt den zweiten Tag in Folge.
Ein namentlich nicht genannter Sicherheitsvertreter erklärte in «El Watan», die Geiseln seien bereits mehrere hundert Kilometer weit ins Landesinnere von Mali in die Nähe der Stadt Kidal gebracht worden. Vertreter der malischen Regierung haben bislang weder bestätigt noch dementiert, dass sich die Entführten im Land aufhalten. Aussenminister Lansana Traore sagte am Dienstag: «Wenn sie in Mali sind, werden wir sie finden.»

Tod bestätigt

«El Watan» bestätigte am Mittwoch auch den Tod der 45 Jahre alten deutschen Geisel Michaela Spitzer, der am Vortag bekannt geworden war. Die Mutter zweier Kinder sei einem Hitzschlag erlegen und bereits vor mehr als zehn Tagen von den Entführern in der algerischen Wüste vergraben worden. Das Auswärtige Amt in Berlin wollte die Nachricht bislang weder dementieren noch bestätigen. In der Hand der Entführer befinden sich jetzt noch 14 Geiseln – neun Deutsche, vier Schweizer und ein Niederländer.

Die ursprünglich 32 Motorrad- und Geländewagentouristen, die in sieben Gruppen zwischen dem 22. Februar und dem 17. März festgesetzt worden sind, befanden sich in der Hand islamistischer Rebellen, die von algerischer Seite mit der Terrororganisation El Kaida in Verbindung gebracht werden. Von offizieller deutscher Seite wurde über den Fall eine Nachrichtensperre verhängt, um Menschenleben zu schonen.

Im Mai befreite eine Eliteeinheit der algerischen Armee 17 Geiseln, die dem Feuergefecht unversehrt entkamen. Algerische Behörden identifizieren die Geiselnehmer als Teil der radikal-islamistischen Salafisten-Gruppe für Predigt und Kampf, einer der beiden bedeutendsten Islamistengruppen, die seit mehr als einem Jahrzehnt blutige Aufstände organisieren.

Manuel Gübeli