Zurückgelassener Kleinbus von Sahara-Geiseln explodiert

Zurückgelassener Kleinbus von Sahara-Geiseln explodiert

Die Welt, 12. Juni 2003

Algier/Paris – Bei dem Versuch, einen in der Sahara entdeckten Geländewagen der in Algerien entführten Schweizer Touristen zu bergen, sind zwei Menschen schwer und mehrere leicht verletzt worden. Der unter Sand und Felsen versteckte und mit Sprengstoff präparierte rote Toyota sei explodiert, als sich ihm die Suchtrupps näherten. Das berichtete die in Algier erscheinende Tageszeitung « El Watan » am Mittwoch unter Berufung auf Sicherheitskreise.

Der Geländewagen und vier Motorräder, die einigen der vermissten deutschen Touristen gehörten, waren bereits vor einer Woche 150 Kilometer nordwestlich der Stadt Illizi gefunden worden. Die Fahrzeuge sollten zur Untersuchung in die Hauptstadt Algier transportiert werden.

15 Urlauber – 10 Deutsche, 4 Schweizer und 1 Niederländer – werden derzeit noch in der algerischen Sahara vermisst. Sie sollen sich in der Gewalt islamistischer Extremisten befinden, die sich vermutlich in der Bergregion von Tamelrik nahe der Grenze zu Libyen verschanzt haben. Die ersten Wüstenurlauber waren schon vor gut drei Monaten verschleppt worden. 17 Geiseln wurden Mitte Mai vom algerischen Militär befreit.

Wie « El Watan » weiter berichtete, sind Techniker aus Deutschland in Algerien eingetroffen, um unbemannte Spionageflugzeuge der algerischen Armee zu reparieren, die bei der Suche nach den Geiseln eingesetzt würden. Möglicherweise werde Deutschland eigene, so genannte Drohnen nach Algerien bringen, hieß es am Mittwoch.

Die algerische Regierung hat nach eigenen Angaben keinen Kontakt zu den Entführern. Es gebe jedoch weiterhin intensive Gespräche mit den Regierungen der betroffenen Länder, sagte Außenminister Abdelasis Belkhadem. Algerien werde alles unternehmen, um das Leben der Geiseln zu retten. Auch Präsident Abdelasis Bouteflika hatte versprochen, zur Befreiung der Europäer jedes Mittel auszuschöpfen und den Entführern freies Geleit zu geben. dpa