Geheimdienste am Werk

Geheimdienste am Werk

Algerien: Weiterer Deutscher entführt – Keine Informationen

ALGIER, MADRID, WIEN (SN-rs, gs). www.salzburg.com, 13. Mai 2003

Im Geiseldrama in der Wüste Süd-Algeriens muss nun von 32 entführten europäischen Urlaubern ausgegangen werden. Westliche Sicherheitskreise bestätigten, dass ein weiterer deutscher Urlauber in der Sahara entführt wurde. Somit befinden sich nun 16 Deutsche, zehn Österreicher, vier Schweizer, ein Schwede und ein Niederländer in der Gewalt der Kidnapper. Einzelheiten zum neuen Entführungsfall, der den Sicherheitsbehörden schon länger bekannt, aber im Zuge der allgemeinen Informationssperre nicht veröffentlicht worden war, wurden zunächst nicht mitgeteilt. Das österreichische Außenministerium verwies auf das Auswärtige Amt in Berlin, das noch von 31 Verschleppten ausgehe.

Im Geiseldrama sollen nun die Geheimdienste eine Schlüsselrolle spielen. Eine hochrangige Delegation des deutschen Bundesnachrichtendienstes (BND), angeführt von BND-Präsident August Hanning, reiste am Montag zusammen mit Deutschlands Außenminister Joschka Fischer (Grüne) nach Algier, um dort mit der algerischen Führung das weitere Vorgehen zu besprechen. Die verstärkte Rolle des BND in den Bemühungen um eine Lösung der Entführung leitet sich aus der Erkenntnis ab, dass auf der anderen Seite der algerische Geheim- und Staatssicherheitsdienst in dem Fall die Zügel in der Hand hält. Auch Österreich versucht seit Wochen mit Hilfe befreundeter Nachrichtendienste an Informationen zu kommen. Über diese diskreten Bemühungen wird klarerweise nichts verlautbart.

Mit dem Besuch von Außenminister Fischer in Algier erhöht Deutschland den diplomatischen Druck auf die algerische Führung, für Aufklärung zu sorgen. Die westlichen Regierungen wie die eingeschalteten Polizeibehörden in Deutschland, Österreich und der Schweiz sind zunehmend beunruhigt über spärliche und zudem widersprüchliche Informationen, die aus Algerien übermittelt werden. Ein westlicher Diplomat sprach von einem « sehr zähen Informationsfluss ». Umso wichtiger sei deswegen, « den politischen Faden nicht abreißen zu lassen ». Deutschlands Chef-Diplomat Fischer, der sich in Algier mit Staatspräsident Abdelaziz Bouteflika und Außenminister Abdelaziz Belkhadem traf, dankte der algerischen Führung « für ihre Bemühungen » bei der Suche nach den Entführten. « Wir wollen unserer Landsleute so bald wie möglich sicher und gesund nach Hause bringen », sagte Fischer. Auf Einzelheiten und Hintergründe der Geiselnahme, deren Motiv noch immer unklar ist, ging er nicht ein.

Der deutsche Auslandsgeheimdienst-Chef Hanning traf derweil mit Generälen des algerischen Staatssicherheitsdienstes (DRS) zusammen, um die « Hilfe » des BND bei der Lösung der Entführung anzubieten. Der algerische DRS, vergleichbar mit der Stasi in der Ex-DDR, kontrolliert alle Sicherheitsbelange des Landes. Er gilt als verantwortlich für das spurlose Verschwinden von tausenden Oppositionellen in geheimen Lagern im Süden Algeriens.

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