Mord an Mönchen wurde Islamisten untergeschoben

Mord an Mönchen wurde Islamisten untergeschoben

Süddeutsche Zeitung, 6. Juli 2009

Bei einem Blutbad starben 1996 sieben entführte Mönche. Doch nicht die Islamistengruppe GIA soll für den Tod der Ordensbrüder verantwortlich sein – sondern die algerische Armee.

Es war eine Ermordung, die in Frankreich vor 13 Jahren für viele Debatten sorgte – sieben französische Mönche waren in Algerien enthauptet aufgefunden worden. Die Tat wurde lange einer Islamistengruppe zugeschrieben. Jetzt stellt sich heraus: Der Mord geht auf das Konto der algerischen Armee. Das bekannte ein französischer General.

Der ehemalige Militärattaché an der französischen Botschaft in Algier habe wenige Tage nach dem Blutbad vom tatsächlichem Geschehen erfahren, sagte der französische Hinterbliebenenanwalt Patrick Baudouin.

Die algerische Luftwaffe bombardierte demnach im Mai 1996 ein Zeltlager der Fundamentalisten und stellte im Anschluss fest, dass sie nicht nur Mitglieder der Islamistengruppe, sondern auch die Mönche getroffen hatte. Die Tat wurde darauf laut Baudouin « im Namen der Staatsräson » vertuscht.

Eine Fundamentalistenorganisation bekannte sich zu der Tat

Dies war umso einfacher, als sich die algerische Fundamentalistenorganisation Bewaffnete Islamische Gruppe (Groupe Islamique Armé, GIA), die die Trappisten-Mönche zwei Monate zuvor verschleppt hatte, nach zwei Tagen zu der Tat bekannte. Eine Woche später teilte die algerische Armee mit, sie habe die abgetrennten Köpfe der Mönche gefunden. Die Reste der Körper blieben aber verschwunden.

Möglicherweise seien die toten Ordensbrüder geköpft worden, um die Spuren des Luftangriffs zu verwischen, vermuten Ermittler in Paris nun.

Nach dem französischen General François Buchwalter, der jüngst vor einem Pariser Anti-Terror-Richter aussagte, waren die Leichen tatsächlich « von Schüssen durchsiebt », wie Baudouin sagte. Der damalige Militärattachée habe die Wahrheit von einem algerischen Militärangehörigen erfahren, dessen Bruder mit einem Hubschraubergeschwader an dem Bombardement beteiligt gewesen sei. Buchwalter habe davon den Generalstab der Armee und den Botschafter informiert, aber seine Berichte seien ohne Widerhall geblieben.

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