Österreichische Geiseln: Unterhändler in Algerien ermordet

ÖSTERREICHISCHE GEISELN IN NORDAFRIKA

Unterhändler in Algerien ermordet

Spiegel online, 17. April 2008

Dramatischer Zwischenfall in der Geiselkrise um zwei entführte Österreicher in Nordafrika: Wie Sicherheitskreise bestätigen, wurden ein Unterhändler und dessen Begleiter in Algerien ermordet aufgefunden. Ob die Täter zu al-Qaida gehören, ist noch ungewiss.

Berlin/Algier – Deutsche Sicherheitskreise bestätigten SPIEGEL ONLINE am Donnerstag, dass in der algerischen Wüste die Leichen eines Unterhändlers und seines Begleiters aus Mali gefunden wurden. Die algerische Tageszeitung « al-Khabar » hatte zunächst berichtet, drei Unterhändler seien ermordet worden. Der Vermittler war einer von mehreren Unterhändlern gewesen, die seit Wochen versuchen, die Freilassung zweier österreichischer Geiseln zu erreichen, die im Februar in Tunesien entführt worden waren.

Österreichische Geiseln: Bemühungen zur Freilassung gehen weiter Über die genauen Umstände des Mordes in der Wüste herrscht noch Unklarheit. Den Sicherheitskreisen zufolge handelte es sich aber nicht um einen Raubmord; die Toten seien regelrecht hingerichtet worden.

Die beiden Geiseln, Wolfgang Ebner, 51, und Andrea Kloiber, 43, waren am 22. Februar auf einer Wüstentour in Süd-Tunesien nahe der algerischen Grenze entführt worden. In mittlerweile drei Kommuniqués, die SPIEGEL ONLINE vorliegen, hat sich die « Organisation al-Qaida in Nordafrika » zu dem Kidnapping bekannt.

Die Terroristen forderten zunächst einen Austausch der Geiseln gegen Gesinnungsgenossen, die in Gefängnissen verschiedener nordafrikanischer Staaten einsitzen (mehr…). Zuletzt, vor einer Woche, änderten sie ihre Forderungen jedoch und verlangen nunmehr die Freilassung eines Wiener Ehepaares, das im März in Wien zu Haftstrafen verurteilt worden war (mehr…). Die beiden hatten auf der Internetplattform der « Globalen islamischen Medienfront » Propaganda für al-Qaida und verwandte Organisationen betrieben.

Das österreichische Außenministerium hatte noch in der letzten Woche erklärt, es sei zuversichtlich, dass noch Zeit bliebe, die Krise beizulegen. Es wird vermutet, dass die Entführer ihre Opfer erst nach Algerien und dann nach Mali verschleppt haben.

Ob es einen direkten Zusammenhang zwischen dem Fortgang der Verhandlungen und den Morden gibt, ist unklar, ebenso ob die Mörder der beiden Männer zu al-Qaida gehören. Das Terrornetzwerk hatte bis zum späten Donnerstagnachmittag keine entsprechende Erklärung veröffentlicht.

In Wien hieß es am Donnerstag von offizieller Seite, es gebe keine Unterbrechung der österreichischen Bemühungen zur Freilassung der beiden Touristen. Europäischen und amerikanischen Sicherheitskreisen zufolge verhandeln mehrere Teams parallel mit den Geiselnehmern oder weiteren Mittelsmännern.

yas/dpa/rtr