Merkel: Ohne Schleier und Fregatte, viel Sinn fürs Geschäft

Angela Merkel: Kanzlerin wirbt in Algerien für enge Gas-Partnerschaft

Focus, 17. Juli 2008

Bei ihrem ersten Besuch in Algerien warb Kanzerlin Angela Merkel für eine deutsch-algerische Zusammenarbeit auf dem Gas-Sektor. Bislang bezieht Deutschland noch kein Gas aus Algerien.

Bundeskanzlerin Angela Merkel will die Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Algerien im Energiebereich ausbauen. Bei ihrem ersten Besuch in dem nordafrikanischen Opec-Staat warb sie vor allem für eine Partnerschaft im Gas-Sektor. Darüber habe sie auch mit Präsident Abdelaziz Bouteflika gesprochen, sagte Merkel am Donnerstag. Für künftige Vorhaben sei die Einsetzung einer gemeinsamen Kommission aus Regierungs- und Wirtschaftsvertretern verabredet worden. Sie habe mit Bouteflika auch über die neu gegründete Mittelmeer-Union, die Lage im Nahen Osten und die sudanesische Krisenregion Darfur gesprochen.

Deutschland sei bereit, Algerien gute Angebote vorzulegen und ein zuverlässiger Partner zu sein, sagte Merkel. Die Bundesrepublik wolle ihre Energieversorgung breiter aufstellen, und Algerien sei ein guter Gas-Lieferant für Europa. Umgekehrt könne sich Deutschland bei der Entwicklung der Solarenergie in Algerien einbringen. Die Kanzlerin wurde auf ihrer zweitägigen Reise von einer Wirtschaftsdelegation begleitet, der unter anderem Vertreter der deutschen Energiebranche angehören.

Deutschland bezieht rund 80 Prozent seines Erdgasbedarfs aus Importen vor allem aus Russland und Norwegen. Dabei wird das Gas über Pipelines befördert, die durch Osteuropa laufen. Algerischen Presseberichten zufolge könnten Lieferungen von Flüssiggas über Tankschiffe aus Algerien Deutschland dabei helfen, seine Abhängigkeit von Russland zu verringern. Bislang verkauft Algerien kein Gas an Deutschland. Der nordafrikanische Opec-Staat ist jedoch der sechstgrößte ausländische Öllieferant der Bundesrepublik. Der deutsche Versorger E.ON Ruhrgas schlug vor, dass sowohl Algerien als auch andere nordafrikanische Länder Flüssiggas-Lieferanten für Deutschland werden könnten.

Zudem will Algerien langfristig Solaranlagen in der Sahara entwickeln, um Europa mit Strom zu versorgen. Die staatliche Firma New Energy Algeria (NEAL) plant, ein 3000 Kilometer langes Starkstromkabel nach Deutschland verlegen, um Solarenergie aus der Wüste zu liefern.
Reuters