Samstag, 25. Juli 1998, 21:31 Uhr

Bis zu 18.000 Personen in Algerien verschwunden

Menschenrechtler macht Sicherheitskräfte verantwortlich

Algier (AP) Das Verschwinden von bis zu 18.000 Menschen in Algerien geht nach Einschätzung des Führers der Algerischen Liga zur Verteidigung der Menschenrechte, Ali Yahia Abdenour, auf das Konto der Sicherheitskräfte. Wie er am Samstag in Algier mitteilte, informierte Abdenour eine UN-Delegation unter Leitung des früheren portugiesischen Staatspräsidenten Mario Soares darüber, daß seit 1994 jede Spur von 15.000 bis 18.000 Menschen fehlt, deren Verschwinden in Zusammenhang mit den staatlichen Sicherheitskräften oder regionalen Polizeieinheiten gebracht wird. Eine Stellungnahme der Behörden lag zunächst nicht vor.

Die sechsköpfige UN-Delegation traf am Samstag unterdessen mit dem algerischen Finanzminister Abdelkrim Harchaoui sowie Vertretern verschiedener Parteien und Verbänden zusammen. Neben Soares gehören der Abordnung der frühere indische Ministerpräsident Kumar Gujral, der jordanische Exministerpräsident Abdul-Karim Kabariti, der kenianische Generalstaatsanwalt Amos Wako, der ehemalige amerikanische UN-Botschafter Donald McHenry und die französische Exgesundheitsministerin Simone Veil an. Die Gruppe, die am Mittwoch in Algerien eintraf, will sich zwei Wochen lang in dem nordafrikanischen Land über die Hintergründe der Massaker informieren, denen binnen sechs Jahren schätzungsweise 75.000 Menschen zum Opfer fielen.

 

 
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