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APPELL und Unterschriftensammlung:

Für eine Untersuchungskommission in Algerien

Freitag 17. Dezember 1999

Die politischen Morde und Massentötungen haben in Algerien wieder massiv zugenommen und machen den schwachen Hoffnungsschimmer, den die Wahl Bouteflikas hervorgerufen hat, zunichte. Schockierend ist zudem die Tatsache, daß die Information über diese Morde, die Hunderte von Personen betreffen und unter entsetzlichen Bedingungen verübt werden, nicht dem Ernst der Ereignisse entsprechen. Politische Morde folgen den Massakern, ohne daß die Umstände geklärt sind, ohne daß ein Mörder festgenommen wird und vor allem ohne daß eine Untersuchung von den Sicherheitskräften veranlaßt wird. Die Öffentlichkeit wird lediglich mit Kommentaren der Presse abgespeist, auf der der Druck der in Zivil gekleideten Militärs, die zu Journalisten gemacht wurden, lastet. Die Presse wird gezwungen, die knappen offiziellen Kommuniqués über die Verbrechen positiv zu kommentieren und jede Nachfrage nach Informationen als einen Akt der Komplizenschaft mit den Terroristen zu interpretieren.

Die Häufung der Massenmorde, deren Verantwortliche unbestraft bleiben, und das Ausmaß an Grauen (geköpfte Kinder, am lebendigen Leibe verbrannte Frauen, zerstückelte Greise) appellieren an das Gewissen eines jeden. Um diesen barbarischen Akten ein Ende zu setzen, ist es notwendig, die Mörder festzunehmen und vor ein internationales Gericht wegen Verbrechen gegen die Menschheit zu bringen.

Die Behörden, die ihre Unfähigkeit, glaubwürdige Untersuchungen durchzuführen, und ihr Versagen, den Schutz der Bürger zu sichern, bewiesen haben, müssen den dringenden Einsatz einer unabhängigen Untersuchungskommission unter der Ägide der UNO akzeptieren. Diese Forderung ist keine Einmischung in die inneren Angelegenheiten eines unabhängigen Staates, weil sie von einer breiten Strömung in Algerien getragen wird, der aber bezüglich dieser Frage ein Maulkorb auferlegt wird, und von den Familien der Opfer von Massakern begrüßt wird, deren Schmerz respektiert und die Berechtigung und Legitimität der Forderung nach Recht und Gerechtigkeit anerkannt werden muß.

Angesichts der Tatsache, daß den Regierungsinstanzen und legalen Institutionen die Aufgabe des Kampfes gegen den Terrorismus entzogen wurde, würde die Anwesenheit einer internationalen Untersuchungskommission die Polizei und Justiz in ihren Bemühungen stärken, die Straftäter, die offensichtlich über noch zu ermittelnde Unterstützungen innerhalb des Staates verfügen, festzunehmen und vor Gericht zu stellen.

Solange die Verantwortlichen für individuelle und kollektive Morde in Freiheit bleiben, sind weitere Massaker und Liquidierungen zu befürchten, da die Straflosigkeit und die Anonymität, die sie genießen, ihnen Rückendeckung bei der Fortführung ihrer unheilvollen Aufgaben bietet.

Wir, die Unterzeichner dieses Textes, verurteilen die schuldhafte Passivität der algerischen Verantwortlichen und ihre Komplizität in der gezielten Zurückhaltung der Informationen. Wir rufen die Öffentlichkeit der demokratischen Länder auf, die algerischen Demokraten und die Familien der Opfer sowie der "Verschwundenen" in ihrer Forderung nach einer unabhängigen und unparteiischen, entsprechend der bestehenden internationalen Kriterien im Rahmen der Vereinten Nationen tätigen Untersuchungskommission zu unterstützen, die allein dazu in der Lage ist, die Hindernisse, denen die Justiz begegnet, zu beseitigen und das Morden zu beenden, das jedes Jahr Hunderte von Unschuldigen das Leben kostet.

Erste Unterzeichner:

Lahouari Addi (IEP de Lyon), Majid Benchikh (université de Cergy-Pontoise), Kamel Daoud (chirurgien), Mahfoud Galloul (université de Lyon-III), Mohamed Harbi (université de Paris-VIII), Fatiha Talahite (CNRS, Lille), Tassadit Yacine (Ehess).

Siehe Unterschriftenliste unter: http://www.algeria-watch.de/Appelcomm.htm

 

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Oder Email mit Name, Vorname, Land (evt. Wohnort, Beruf etc.) an algeria-watch@gmx.net senden.

 

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