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Die ermordeten Häftlinge von Berrouaghia werden zu Opfern des Terrorismus deklariert

Algeria-Watch, Infomappe 16, April 2001

Ende 1994 fand in dem Gefängnis von Berrouaghia (Médéa) in Folge eines Aufstandes ein Massaker statt, bei dem zwischen 200 und 500 Häftlinge ums Leben kamen. Die Umstände der Erstürmung des Gefängnisses sind bis heute nicht bekannt. Viele Häftlinge wurden erschossen, andere durch gezieltes Legen von Feuer verbrannt. Dabei wurden die Opfer, die alle wegen des Verdachts der terroristischen Aktivität oder ihrer Unterstützung verurteilt waren, zusammengetrieben und in einen Saal eingesperrt. Am 15. November 1994 erhielten die Familien der Getöteten die Bestattungserlaubnis. Die Angelegenheit war damit erledigt. Neuerdings erhalten die Familien der Opfer Ladungen von den zuständigen Gerichten ihrer Heimatorte, die sie dann zum Gericht von Médéa verweisen. Dort erhalten sie ein Urteil vom Strafgericht und werden angehalten, sich einen Anwalt zu nehmen und die nötigen Formalitäten durchzuführen, um den Status "Opfer des Terrorismus", die den Familien eine Pension erlaubt, zu genießen. Presseberichten nach zu urteilen, handelt es sich hierbei in erster Linie um Häftlinge, die - entsprechend den angeblich zwei Jahren nach dem Ereignis durchgeführten Untersuchungen - nicht an dem Aufstand teilgenommen haben sollen. Anwälte befürchten, daß mit diesen Maßnahmen versucht wird, die Familien zu "kaufen", das Regime frei zu sprechen und das Dossier ad acta zu legen. (Siehe El Youm, 7. März 2001)

 

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