Analysen  
   

Die algerischen Islamisten zwischen AlS, GlA
und militärischem Sicherheitsdienst

François Burgat, Inamo, 14/15, Sommer/Herbst 1998

"(...) wer wollte sich mit jenen solidarisch erklären, die Kehlen durchschneiden, die vergewaltigen und morden, zumal wenn es sich um Leute handelt, die man ohne Berücksichtigung anderer historischer Umstände als die Verrückten des Islam ' bezeichnet, verpackt und verhüllt in das Schmähwort Islamismus - atavistisches Symbol aller Orientphantasmen und gut geeignet, dem rassistischen Haß das sichere Alibi der ethischen und laizistischen Legitimität zu geben?" (Pierre Bourdieu') (1)

Aus dem Nebel der zweifelhaften Kommuniqués, der unmöglichen Untersuchungen und den mehr oder minder offiziellen Reportagen haben sich in Algerien langsam einige Konturen dessen abgezeichnet, was der "bewaffnete Widerstand gegen den Staatsstreich von Januar 1992" für jene ist, die sich darauf berufen, und was das Militärregime dem Beispiel eines Teils der westlichen Presse folgend als den "islamischen Terrorismus" bezeichnet. (2)

Um die Schwierigkeit zu ermessen, Anhaltspunkte für eine glaubhafte Lesart des Vorgehens der islamistischen Strömung in Algerien zu finden, muß daran erinnert werden, daß es im Land zwei Kategorien von Akteuren gibt, deren Strategien, obwohl radikal entgegengesetzt, sich auf sehr gefährliche Weise überlagern. Die erste Kategorie umfaßt all jene, denen bewußt ist, daß der Fortgang der Krise über den Bereich der militärischen Konfrontation hinausgeht und zumindest teilweise von einem sowohl inneren wie internationalen politischen Kräfteverhältnis abhängt. Weil sie wissen, daß die Krise, die Algerien zerreißt, zum Teil in Paris und in Washington entschieden wird, bemühen sie sich, ihr Vorgehen - so radikal und daher so wenig mediengerecht es möglicherweise sein mag der notwendigen Kommunikation mit ihren potentiellen politischen Verbündeten im In- und Ausland anzupassen. Der erste dieser "politischen" Akteure ist das Regime, das aus dem Staatsstreich im Januar 1992 hervorgegangen ist. Es wird seither mehr oder weniger direkt von einem Segment der linken Intelligenz unterstützt, die ihrerseits sehr gut in einem Teil der kulturellen Berberbewegung vertreten ist. Mit der rigorosen Durchsetzung einer Reihe von zunächst rechtlichen (3), dann polizeilichen Maßnahmen konnte dieses Lager der Machthaber eine völlige Herrschaft über die Information erlangen, eine Herrschaft, die es im Grunde nur für kurze Zeit zwischen 1989 und 1992 verloren hatte, als der damalige Präsident Chadli mit einer pluralistischen Öffnung auf die Unruhen von 1988 reagierte (4). Die gute Kenntnis der Informationswege, die aktive Unterstützung durch einige in diesem Bereich besonders einflußreiche Lobbies, das geschickte Eingehen auf die Mentalität der verschiedenen Meinungsfamilien Frankreichs (Katholiken, Juden, Freimaurer, Kommunisten, Sozialisten usw.) sowie allem Anschein nach handfeste finanzielle Investitionen (5) haben es diesem Lager ermöglicht, auch die fast bedingungslose Unterstützung einer westlichen Öffentlichkeit zu erhalten, die alle Implikationen seines "Kampfes gegen den Integrismus" zu akzeptieren bereit ist.

Der zweite Hauptakteur dieser ersten Kategorie der "Politiker" ist die nichtislamistische, jedoch nicht dem Prinzip der "Ausrottung" anhängende Opposition (im wesentlichen die FFS von Ait Ahmed, die MDA von A. Ben Bella sowie zumindest ein Teil der Kader der ehemaligen Einheitspartei FLN). Diese politische Linie wurde lange (bis zu ihrem faktischen Verbot) durch die von Salima Ghazali geleitete Wochenzeitung La Nation vertreten. Die Führer dieser nichtislamistischen Opposition sind lange Zeit auch die einzigen gewesen, die das Monopol der Verantwortlichen für die Informationspolitik des Regimes einzuschränken vermochten. Sie haben eine entscheidende Rolle bei der Veränderung von Standpunkten innerhalb der politischen Klasse Frankreichs gespielt, wie sie nach der Unterzeichnung des "Nationalpakts" (im Januar 1995 in Rom) durch die wichtigsten Formationen der islamistischen und nichtislamistischen Opposition erkennbar wurde. Die "Plattform von Rom" zeigte die Wege eines politischen Ausgangs der Krise auf.

Der dritte legalistische Akteur wird von einem großen Teil des islamistischen Lagers verkörpert, d. h. vor allem von der FIS sowie zwei weiteren Bewegungen (an-Nahda unter Führung von Abdallah Jaballah und Hamas unter der Führung von Mahfuz Nahnah) (6). Nach ihrer Auflösung per gerichtlicher Anordnung im März 1992 ist die Islamische Heilsfront heute in ihren zivilen Ausdrucksmöglichkeiten beschränkt auf ihre inhaftierte Führung (Abbassi Madani, Ali Benhaj), auf einige offiziöse Sprecher (Abdelkader Hachani, Ali Jeddi, Abdelkader Boukhamkham und A. Ghemazzi) - die sich auf freiem Fuß befinden, aber keinen eigenen Handlungsspielraum besitzen -, auf ein Auslandsexekutivorgan, das von Aachen aus von Rabah Kebir geführt wird und schließlich auf Abgeordnete, die sich in mehreren Ländern Europas und Amerikas im Exil befinden (die parlamentarische Auslandsvertretung der FIS, deren offizieller Leiter der in den USA inhaftierte Anwar Haddam ist, sowie der FIS-Koordinationsrat, der von Lausanne aus von Ahmed Zawi geleitet wird). Der militärische Arm der FIS ist die Armee Islamique du Salut (AIS), die seit Juli 1994 von Madani Merzaq angeführt wird, dessen Schriften ("Les Lettres de Madani Merzaq") der algerischen und ausländischen Öffentlichkeit zum Teil bekannt geworden sind (7). Die AIS hat im Oktober 1997 mit dem Regime einen Waffenstillstand geschlossen, nach dessen Festlegungen sich ihre Mitglieder frei auf dem algerischen Territorium bewegen können (8).

Die zweite Kategorie von Akteuren auf der algerischen Bühne ist jene, die mit ihrer ausschließlich "militärischen" Aktion auf ihren Ruf in politischer Hinsicht und in den Medien weder in Algerien und erst recht nicht im Ausland Rücksicht nimmt. In dieser Kategorie bewegt sich zumindest ein Teil der Gruppen, die heute mehr oder minder genau als die "bewaffneten islamischen Gruppen" ausgemacht werden. Aus dieser Gruppierung kamen lange Zeit die Kommuniqués, die sich in außerordentlich provozierenden Worten zur Ermordung der ausländischen christlichen "Kreuzzügler", der "kommunistischen" oder "atheistischen" Intellektuellen bekannten und jede nichtmilitärische Lösung des Konflikt ausschlossen. Einzig und allein dieser Gruppierung werden von der staatlichen Informationspolitik die schlimmsten Gewaltakte zugeschrieben: Entführungen, Vergewaltigungen, von Verstümmlungen begleitete Morde, blindwütige Attentate gegen die Zivilbevölkerung, Zerstörung der schulischen Infrastrukturen usw. Die Rhetorik dieser extremistischen Komponente greift in der Regel auf die gefährlich dialektische Verkürzung des alten Begriffs des takfir zurück: Indem nicht nur den Machthabern, sondern der Gesamtheit oder einem Teil der Bevölkerung die Zugehörigkeit zur muslimischen Gemeinschaft abgesprochen wird, kann man sich jeder religiösen Rechtsvorschrift entziehen. Die Berufung auf diesen Begriff wird damit zum "theologischen Vorzimmer" beliebiger Exzesse.

Auf dem Boden der äußersten Gewalt bewegt sich die radikale und berüchtigtste Komponente des islamistischen Lagers, die mehr oder minder in einer Bewaffneten Islamischen Gruppe (Groupe Islamique Arme, GIA) zentralisiert ist. Zu ihr gehören auch gemeine Kriminelle, die mit der derzeitigen ideologischen Konfrontation nur insoweit in Beziehung stehen, wie sie von der fast völligen Umstellung des Polizeiapparates auf die alleinige politische Repression profitieren. Schließlich agiert ein Teil der zur Repression dieser Bewegung eingesetzten Kräfte unter der Fahne der GIA, der sie selbstverständlich ihre Aktionen Zuschreibens: von der Staatsmacht aufgestellte Milizen, aber auch Gruppen, die von der Staatsmacht manipuliert werden oder die sogar direkt aus ihren Kadern oder ihr unterstehenden Militärs gebildet wurden. Immer zahlreicher werden die Zeugenaussagen über diese Provokateure, deren Auftrag es ist - oder denen freie Hand gelassen wird -, auf Kosten der Zivilbevölkerung Gewalttaten zu begehen, von denen sich die Staatsmacht die Diskreditierung des islamistischen Lagers und die Verstärkung seiner inneren Uneinigkeit verspricht. Bereits seit 1995, als die Zeitung Le Monde und danach Libération die Aussagen von nach Europa emigrierten Polizisten veröffentlichten (10), und dann aufgrund der zahllosen, von der Presse mehr oder weniger systematisch weitergegebenen Augenzeugenberichte ist es nachweisbar geworden, daß die Provokationen weit über die Morde an Ausländern oder an Intellektuellen hinausgehen: sie schließen Ermordung von Dutzenden von Polizisten ein, "besonders von solchen, die zu den bekanntesten gehören", erschossen an ihrem Arbeitsplatz oder häufiger noch in ihrer Wohnung. "Bewaffnete Gruppen", deren Führung von der Staatsmacht beeinflußt wurde, Untergrundgruppen, die sich aus Strafgefangenen zusammensetzten, die zu diesem Zweck freigelassen und bewaffnet wurden, Gefangene, die nach einer Zeit der Haft und der Folter umgedreht wurden oder, direkter noch, hierfür abkommandierte Militärs scheinen die Urheber dieser obskuren, aber nichtsdestoweniger wesentlichen Dimension des "Anwachsens" der sogenannten "islamistischen" Gewalt in Algerien gewesen zu sein. In ihrer Ausgabe vom 28. September 1995 faßte die Pariser Wochenschrift Maghreb Confidentiel die heute glaubwürdigste Darstellung der maßgeblichen Beteiligung der algerischen Geheimdienste an der Logik der Gewalt so zusammen: "(...) die algerischen Geheimdienste haben seit 1993 die bewaffneten Gruppen unterwandert, um in ihnen Spaltungen zu provozieren und die Verantwortlichen, die einen politischen Dialog befürworten, dadurch zu neutralisieren, daß sie aufgrund der blindwütigen Gewalttaten zu Personen werden, mit denen man sich nicht einlassen kann. (...) (Sie) haben eine umfassende Operation zur Manipulation der GIA in drei Richtungen organisiert (...): 1) die Bildung von bewaffneten Gruppen, die Anschläge im Namen der GIA begehen und mit dieser schließlich zusammenkommen; 2) die Entsendung von angeblichen Deserteuren aus der Armee, die zur GIA überlaufen (...); 3) die Einschleusung von Agenten an der Basis, (mit dem vorrangigen Auftrag) (...), eine gegenseitige Überbietung im Verbrechen (vermehrte Mordanschläge auf Zivilpersonen, insbesondere Journalisten, Schriftsteller, Frauen und Ausländer, Todesurteile' für die Führer der FIS) (...) zu bewirken."

Das tatsächliche Vorhandensein einer extremistischen Komponente im islamistischen Lager sowie die Logik der Blutrache, der durch die Schaffung von regierungstreuen Dorfmilizen neue Nahrung gegeben wurde, erleichtern in jedem Fall die systematische, von den Machthabern eifrig betriebene Verschleierung der wahren Hintergründe. Doch die offensichtliche Schwierigkeit, die "beiden Terrorismen" in Algerien voneinander abzugrenzen, relativiert sich wieder, wenn man sich die Zeit nimmt zu unterscheiden, welche Logik jeweils der Anwendung bewaffneter Gewalt durch die beiden sich gegenüberstehenden Lager (der Islamisten und der Militärs) zugrunde liegt. So ist der "islamische Terrorismus" entstanden aus dem radikalen Abdriften (und - unter dem Vorbehalt künftiger Untersuchungen - aus dem Mißbrauch von Teilen) einer machtvollen Volksbewegung, die zweimal als Gewinner aus den Wahlen hervorgegangen ist und nur aus diesem Grund einer furchtbaren Offensive der Repression ausgesetzt worden ist. Der Terrorismus des radikalen Flügels der algerischen Militärmachthaber ist dagegen das Rückzugsgefecht eines Regimes, das sich nicht nur von seiner angestammten Wählerschaft, sondern von ganzen Scharen seiner eigenen Kader verlassen weiß. Die "beiden Terrorismen" in Algerien sind also keineswegs Zwillinge: der eine hat sehr bewußt den anderen hervorgebracht und hat ihm dann obendrein noch zu seiner Ausbreitung verholfen (11). Für die Machthaber war die Radikalisierung des islamistischen Lagers weniger ein Hindernis, denn eine logische Konsequenz ihres Verhaltens, ein bewußtes Ziel ihrer Informationsstrategie im In- wie im Ausland.

Die ganze Undurchsichtigkeit der algerischen Krise und ihre scheinbare Komplexität ergeben sich heute aus der Tatsache, daß die Verantwortlichen für die Informationspolitik des Regimes es geschafft haben, daß die gesamte Gesellschaft und die sie zerreißende Krise allein von ihren beiden ideologischen Extremen - die beide überdies noch vom Regime manipuliert werden -repräsentiert werden. Zum einen wird eine Handvoll von unnachgiebigen "Laizisten" (darunter einige "Staatsfeministinnen", die weit davon von entfernt sind, den Kampf der Frauen ihrer Gesellschaft zu vertreten (12)) in die europäischen Hauptstädte exportiert (oder sogar auf Dauer dort untergebracht). Unter Rückgriff auf Losungen, die die alten Ängste des Westens vor dem Islam ausnutzen, haben sie die Aufgabe, die irreführende Vorstellung glaubhaft zu machen, daß der vom Regime geführte Krieg tatsächlich ein Kampf ist um die mit dem Westen gemeinsam geteilten Werte (Laizität, Frauenrechte, Moderne). Dies gelingt ihnen um so wirkungsvoller, als die Symbiose zwischen den verschiedenen politischen Familien in Frankreich und dem kleinen Teil der algerischen Gesellschaft, der sich heute an der Macht befindet, ganz besonders eng ist. Das Regime und seine laizistischen Verbündeten besitzen eine sehr genaue Kenntnis der Denkschemata der Franzosen, ihrer Ängste, ihrer Sympathien und ihrer Wissenslücken. Gegenüber der jüdischen Gemeinschaft verstehen sie es sehr gut, das Schreckbild Nazismus heraufzubeschwören, vor den Kommunisten oder den Freimaurern schwenken sie das Banner des Laizismus, vor den Frauen das des Feminismus und vor den Künstlern das der Schaffensfreiheit, obwohl ihr eigenes Engagement in dieser Hinsicht in Vergangenheit und Gegenwart in diametralem Gegensatz zu ihrem für den Export bestimmten Diskurs steht. Diesen (brillanten) Vortäuschern demokratischer Motive stehen andererseits mysteriöse bewaffnete Gruppen gegenüber, ebenso "archaisch" wie "vollbärtig", "arabischsprechend" wie "obskurantistisch" - also das völlige Gegenteil der modernen "laizistischen Feministinnen" und anderen so pariserischen "Exilintellektuellen" -, die sich in einer fast vollkommenen Straflosigkeit (l3) einer grenzenlosen Gewalt bedienen "dürfen". So muß das Regime nur noch die Mehrheit der algerischen Bevölkerung mit seinen wenigen "modernen" Emissären identifizieren und seine gesamte islamistische Opposition mit den Abscheulichkeiten der bewaffneten Gruppen gleichsetzen. Dies gelingt dem Diskurs der Verantwortlichen für die Informationspolitik bemerkenswert gut ("Es gibt keinen Unterschied zwischen GIA und FIS", "Es gibt keinen gemäßigten Islamisten", "Wir führen denselben Kampf wie ihr in euren Vorstädten" usw.). Welche andere außer der ausschließlich repressiven Lösung vermag sich dann noch vor allem die französische und im weiteren die internationale Öffentlichkeit vorzustellen? Und damit schließt sich der Kreis. Vom westlichen Ufer aus gesehen verschwindet die bestialische Repression, die von korrumpierten Militärs zu ihrer Machterhaltung betrieben wird, wie durch ein Wunder hinter dem folgenschwer unwahren Bild eines unüberbrückbaren Gegensatzes: Im algerischen Krieg stünde demnach eine laizistische, frankophone und sich zum westlichen Erbe bekennende Gesellschaft einem islamischen Monster gegenüber, das in einer Weise geschildert wird, die jeden Gedanken an eine Anerkennung von wem auch immer aus dem Kreis derer, die ein annähernd gleiches Vokabular benutzen, in Mißkredit geraten läßt.

Hinter diesem Trugbild, das allzu selbstgefällig von den Medien und einer Handvoll von Intellektuellen im Westen übernommen wird, kann eine Gruppe, die sich seit fast 40 Jahren an der Macht festgesetzt hat, beinahe "ungestört" einen ordinären Krieg führen, in welchem sie in Wirklichkeit, über alle Wahlen und Aufstände hinweg, einer übergroßen Mehrheit der Bevölkerung gegenübersteht. Zwischen den beiden "laizistischen" und "terroristischen" Extremen des politischen Feldes leidet daher der Großteil der algerischen Gesellschaft, der jenen Kompromiß befürwortet, den die Militärmachthaber und ihre Verbündeten so sehr fürchten und den die internationale Gemeinschaft bisher offensichtlich hartnäckig ignorieren will.

François Burgat ist Direktor des Centre Français d'Etudes Yemenites (CFEY) in Sanua.

Übersetzung aus dem Französischen: Lutz Rogler.

 


Fußnoten

1 Die Rolle von Bernard-Henri Levy kommentierend. In: Liber (Beilage der Zeitschrift Actes de la Recherche en Sciences Sociales, Paris), Januar 1998.

2 Francois Burgat, William Dowell: The Islamic Movement in North Africa, Austin: Univ. of Texas Press, 1997 (2. Aufl.).

3 Die dem islamistischen Lager nahestehenden Presseorgane wurden bereits am 15. August 1992 verboten, unter fast völligem Schweigen der sogenannten "unabhängigen", d. h. den Islamisten feindselig gegenüberstehenden Presse, der ihrerseits im Juni 1994 eine Anordnung des Innenminsterium auferlegt wurde, die ihr die Verbreitung "jeder die Sicherheitslage betreffenden Information, die nicht einem offiziellen Kommuniqué oder einer Pressekonferenz entstammt" verbietet.

4 Siehe: Encylopedia Universalls, Paris 1991, Art. L'Algérie.

5 Vgl. z. B. Maghreb Confidentiel Nr. 363 vom 12.03.1998: "Die algerische Staatsmacht hat eine große Kampagne der Auslandsinformation gestartet. Zielscheibe: die Journalisten und Intellektuellen im Westen und insbesondere in Frankreich. Umfangreiche Mittel wurden den algerischen Lobbyisten, die sich um die französischen ,Image-maker' kümmern sollen, zur Verfügung gestellt" usw.

6 Die Legalisierung derjenigen Komponente der islamistischen Strömung, die die Wahlen 1991 verloren hatte, entsprach dem Willen des Regimes, die Einheit dieser Strömung zu brechen.

7 Kalimal haqq li-man yahimmuhu 'I-amr I Lettres de vérité a l'adresse de ceux qui se sentent concernés, zweisprachige arabisch französische Ausgabe, ohne Verl., April 1995, 54 Seiten.

8 Patrick Denaud: Algerie - le FIS: sa direction parle. Paris: L'Harmattan, 1998.

9 Im September 1997 wurde die Telefonverbindung, bei der ein Kommunique der "GIA" einem Imam in einer Londoner Vorstadt übermittelt wurde, vom britischen Geheimdienst identifiziert: sie wurde von einer Kaserne im Zentrum von Algier aus hergestellt. Siehe: Paris-Match, 8. Oktober 1997.

10 Le Monde, 7. März 1995, dann Libération, 22. März 1995 und L'Express, 20. September 1995, schließlich The Observer, Der Spiegel...

11 Die Tatsache, daß der französische Innenminister am 24. August 1994 ein Buch verboten hat, das von der FIS herausgegeben wurde, um die Mauer des Schweigens in den französischen Medien gegenüber dem Ausmaß der staatlichen Anwendung der Folter (Livre blanc sur la répression en Algérie, Plan-les-Ouates/Schweiz: Hoggar) zu brechen, hat es nicht verhindern können, daß ein (kleiner) Teil der westlichen Öffentlichkeit verstanden hat, wie sehr die Spirale der Repression die allmähliche Radikalisierung des bewaffneten islamistischen Lagers genährt hat. Zur Repression siehe vor allem: Jacques Vergès: Lettre ouverte a des amis Algériens devenus tortionnaires, Paris: Albin Michel, 1994; Reporters sans Frontières: Le Drame algerien: un peuple en otage, Paris: La Découverte, 1996 (2. Aufl.) sowie das Schwarzbuch (Livre noir), das von Reporters sans Frontieres 1995 veröffentlicht wurde.

12 Über den Werdegang der in den Medien bekanntesten unter ihnen siehe Louisa Hanoune: Une autre voix pour l'Algerie, Paris: La Découverte, 1996.

13 Angesichts des Fehlens jeglicher glaubwürdiger Untersuchung, welche die Verantwortlichkeiten nachweisen könnte. Bis heute konnte nicht ein einziger Verantwortlicher für die 104 Morde an Ausländern und die 70 Morde an Journalisten in einem Gerichtsverfahren für schuldig erklärt werden. In 174 Fällen hat es das Regime nicht ein einziges Mal vermocht, auf glaubhafte Weise einen Beschuldigten durch den Justizapparat als wirklich verantwortlich für das ihm zur Last gelegte Justizapparat als wirklich verantwortlich für das ihm zur Last gelegte Verbrechen feststellen zu lassen.

 
Druckversion
 
www.algeria-watch.org